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aufbau:lenkwinkel

Kurven fahren?

Kann man mit einem Slalom-Kart überhaupt Kurven fahren?

Bei einem motorgetriebenen Slalom-Kart sind die beiden hinteren Räder starr über eine Achse verbunden. Dadurch haben beide Räder dieselbe Umdrehungsgeschwindigkeit und legen grundsätzlich pro Umdrehung die gleiche Wegstrecke zurück. Fährt man einen Bogen, so ist jedoch der Weg, den das äußere Rad zurückzulegen hat, weiter als der des inneren Rades. Um trotzdem eine Kurve zu fahren, müssen die angetriebenen Räder einen Schlupf verursachen. Je mehr Grip die Strecke bietet, um so schwerer wird dies gelingen.


Kleinster technisch möglicher Kurven-Radius

Im ADAC-Reglement für Jugendkartslalom ist festgelegt, wie der Parcours-Aufbau gestaltet werden muss:
„Das Slalom-Kart muss durch alle Parcoursaufgaben mit dem Lenkeinschlag geschoben oder im Schritttempo gefahren werden können.“

Wer dies einmal versucht hat, wird feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist. Schauen wir uns mal die Randbedingungen an.

Angenommen, fast die gesamte Last liegt auf den hinteren Rädern, so kann das Kart überhaupt nicht einlenken, da die vorderen eingelenkten Räder drucklos über den Asphalt weiter geradeaus geschoben werden.

Im anderen Fall, bei viel Last auf den Vorderrädern, gleiten die Hinterräder drucklos über den Asphalt und können so mit etwas Schlupf die unterschiedliche Radien leicht bewerkstelligen. Das Kart verhält sich wie ein Einspurfahrzeug.

Somit ist klar, dass der reale Kurvenverlauf irgendwo zwischen geradeaus und der engen Einspur-Richtung liegt, die den kleinsten möglichen Radius besitzt. Je mehr Druck der „Fahrzeugschieber“ auf die Hinterachse bringt, umso schwieriger wird die Kurvenfahrt.

Der kleinste technisch mögliche Radius berechnet sich aus dem Radstand des Karts und dem maximalen Einschlagwinkel der Vorderräder. Dieser ist beim Slalom-Kart mit etwa 22° auf beiden Seiten gleich.

Radius = Radstand / tan(Einschlagwinkel)
Inneres Hinterrad in der Luft

Bei einem Radstand von 1,04 m und einem Einschlagwinkel von etwa 22° (Hetschel-Mach1-Kart gemessen) ergibt sich für das kurvenäußere Hinterrad ein Radius von etwa 2,85 m. Das vordere Rad beschreibt jedoch einen größeren Kreisbogen, sodass ein Kreis mit einem Radius von etwa 3,00 m das absolute Minimum für Kurvenfahrten im Parcours darstellt. Das Kart verhält sich so, als sei das innere hintere Rad abgehoben ohne Kontakt zum Asphalt. Dies entspricht auch dem Fahren mit höherer Geschwindigkeit. Engere Kurven sind nur mit zusätzlichem Drift des Fahrzeugs möglich, würden aber nicht dem Reglement entsprechen.

Das innere Hinterrad beschreibt einen engeren Kreis, so ergibt sich ein innerer Radius von etwa 1,60 m.


Auswirkung auf die Streckengestaltung

Diese Betrachtung gilt nur für einen Vollkreis und ist praktisch nur für die Gestaltung des Parcours bei den Aufgaben mit 180°-Wenden notwendig. Es muss genug Platz vorhanden sein, um Bögen mit solchem Radius zu fahren. Insbesondere die Teilnehmer der jüngeren Klassen haben deshalb oft Schwierigkeiten den Parcours fehlerfrei zu durchfahren, weil die Geschwindigkleit zu gering ist, um ein Abheben des kurveninneren Hinterrades zu ermöglichen. Bei 90°-Ecken oder Spurgassen kann schon vorher ausgeholt oder die Fahrspurbreite von 1,65 m dafür verwendet werden.


Kleinster Vollkreis

bild

Aus den Betrachtungen des kleinsten Radius ergeben sich auch die Maße für den kleinst möglichen Vollkreis: Das äußere Vorderrad fährt einen etwas größeren Kreis als das äußere Hinterrad. Für die Pylonenaufstellung ergeben sich folgende Maße:

  • Fahrspurbreite: s = 1,65 m
  • Außenkeis (Pylonen): r = 3,00 m
  • Außenkeis (Hinterrad): r = 2,85 m
  • Innenkeis (Hinterrad): r = 1,60 m
  • Innenkeis (Pylonen): r = 1,35 m

Bei Teilkreisabschnitten kann der Radius kleiner ausfallen, wenn vor der Aufgabe ausgeholt werden kann.


aufbau/lenkwinkel.txt · Zuletzt geändert: 2020/04/23 23:27 von Administrator